Eine Frage der Ehre nach der Frage des guten Geschmacks

von Jens Behrens (Kommentare: 0)

Andre bei der Wetteinlösung

Die Fussballsaison 2010/2011 hat begonnen und der erste Fahrtbericht lässt noch auf sich warten aber an dieser Stelle gilt es noch eine Altlast der Saison 2009/2010 abzuarbeiten. Nach dem HSV-Heimspiel am Donnerstag 01. April 2010 (HSV siegte damals mit 2:1 gegen Standard Lüttich in der Europa-League) kam es kurz nach Mitternacht und damit am 02. April auf dem Gutshof der Familie Pape in Hofkoh zwischen Koko und Andre S. aus E. zu einer Wette folgenden Inhalts:

 

„Ich Andre S. wette, dass ich 25 x nacheinander weg den Unterschied der Biere Hemelinger und Haake Beck herausfinden kann. Sollte ich die Wette verlieren, lade ich den HSV-Bully inkl „Anhang“ zum Grillen ein.“ Im Gegenzug verpflichtete sich Koko damals A.S. zwei oder waren es drei (?) Fahrten zu Heimspielen des HSV mit Kost und Logis freizuhalten. Als Richter hinsichtlich der Durchführung der Wette und Einhaltung aller Spielregeln wurden die „Anhänge“ Nicole, Steffi und Nina bestimmt.

 

Die Wette ist Bestandteil einer Diskussion um „DAS richtige BIER“. Egal ob nu Brämer oder Hamburger Bier, Hefe oder Pils – jeder von uns hat doch eine Biersorte, die er am liebsten eiskalt genießt und die vielleicht besonders gut perlt. Um so energischer verteidigt man seinen „guten Geschmack“, wenn dann einer der Kumpels statt von edlem Getränk nur abfällig von Plörre, Schmutz oder Kack-Bier spricht. Halt eine Frage der Ehre unter Genießer. Und so versteht es sich vielleicht, dass Mann sich zu solch einer Wette hinreißen lässt. Denke ich...

 

Übrigens zum Hintergrund einer Wette sei hier nur ein kurzer Auszug aus Wikipedia zitiert:“Die frühe Bezeichnung Wette hat ihren Ursprung im nordeuropäischen Sprachraum und geht vermutlich auf das Wort "widan" für "binden" zurück. Mit Begriffen wie "vadi, wadja, ved" oder "wetti" steht das mittellateinische "vadium" bzw. "vadiatio" in Verbindung. Diese Herleitung weist auf ein Rechtsgeschäft hin, durch welches eine Form von Verbindlichkeit begründet wurde. Die jeweilige Sache, die der Gläubiger dabei als Sicherheit erhielt, war ihm, wenn der Schuldner sie nicht oder nicht rechtzeitig wieder einlöste, verfallen bzw. "verwettet" (altnordisch: "vorvedja"). Mit der Bedeutung des gegebenen oder zugesicherten Einsatzes zur Absicherung eines Vertrags hat sich die Spiel-Wette (§762 BGB) bis in den heutigen Sprach- und Rechtsgebrauch hinein erhalten. Gemäß § 762 BGB sieht der Gesetzgeber keine Verpflichtungsbegründung durch Spiel und Wette vor. Daher müssen Wettschulden nicht bezahlt werden, im Volksmund werden sie deswegen oft „Ehrenschulden“ genannt, juristisch spricht man von einer Naturalobligation.

 

Nu zu dem Wesentlichen - den Biersorten! Auf der einen Seite das von Koko favorisierte Haake Beck, welches eine Marke der Bremer Brauerei Beck GmbH & Co. KG dem Bierkonzern Anheuser-Busch InBev angegliedert darstellt und hauptsächlich für Bremen und Umland produziert wird. Halt ein Maurerbier, das in unserer Gegend relativ häufig konsumiert wird. Auf der anderen Seite steht das nicht ganz so bekannte aber dennoch von A.S. aus E. favorisierte Hemelinger Spezial. Die Markenrechte hält das Achimer Unternehmen Getränke Ahlers wobei das Bier ebenfalls bei Beck und Co in Bremen gebraut wird und nicht mehr in der seit 1981 geschlossenen Hemelinger Actien Brauerei. Rein äußerlich - selbe Flaschenform, beides Pils aus derselben Brauerei aber mit unterschiedlicher Färbung und angeblich unterschiedlichem Geschmack – was ja nu zu beweisen wäre...

 

Und heute am 01. September 2010 um 20:00 Uhr im Haus von A.S. ist die Frage des Geschmacks zu einer Frage der Ehre geworden. Beide Wettgegner geben sich entspannt – mehr oder weniger. Während Koko beteuert, erst ab dem 17. Test wohl Nervösität zu verspüren, merkt man A.S. aus E. schon ein wenig die Anspannung an. Die Augen verbunden mit seinem HSV-Schal nimmt er die von Nicole angemixten und Nina angereichten beiden Gläser entgegen. Während souverän gestartet wird, kommt es beim 2. Test bereits zu einer leichten Verzögerung. A.S. ist sich seiner nicht ganz sicher. Aber dann doch, wieder ein Treffer! Während so ein ums andere Bier erkannt wird und zwischendurch wie bei den Weinkennern mit Wasser zwischengespült wird, genießen die übrigen Anwesenden die dargereichte Kost und das ausgeschenkte Bier. Es fällt A.S. zunehmend schwerer, dem Aufstossen zu begegnen und die Flüssigkeit zwischen Leber und Milz zu platzieren. Strich um Strich markiert Nicole die erkannten Biere. Trotz psychologischer Tricks und dem Schweiß unterm Schal wird auch der 17. Test gemeistert. Den Harndrang kontrollierend schreitet die Prozession voran. Allmählich gewinnt bei allen Anwesenden die Gewissheit mit A.S. einen Kenner des Hemelinger Bieres und einen „Feind“ des Haake Beck'schen Buddelbieres vor sich zu haben. Auch Koko muss sich schließlich beim Anheben der letzten beiden Gläser für den Vergleich fragen, ob es richtig war, die Wette einzugehen...

 

Nach diversen Rülpsern, ausgespucktem Wasser ist es vollbracht! A.S. hat es geschafft und 25 x hintereinander weg den Unterschied mit verbundenen Augen erkannt. In Ehrfurcht erstarre ich um so mehr, als dass für mich ein Unterschied nicht so wirklich – geschweige denn so häufig hintereinander rauszufinden ist. Ein Selbstversuch meinerseits scheiterte zumindest.

 

Egal, die Gaudi war es wohl wert und die Ehrenmänner gratulieren sich schließlich gegenseitig zu einem gelungenen Wettstreit und den in der neuen Saison einzulösenden Touren zu unserem HSV!

 

A.S. - Du Feinschmecker des Hemelinger Bieres, wir sehen uns!

In diesem Sinne bis demnächst...

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